Die Nominierten

 

Die Expertenjury hat am 26. September 2013 die zwölf besten Ideen aus über 200 Einreichungen für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2013 ausgewählt.
Aber es bleibt weiterhin spannend, denn im Rahmen der Messe A+A, dem weltweit größten Fachforum für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, in Düsseldorf werden am 5. November 2013 die vier Preisträger bekanntgegeben.

Nominiert für die Kategorie „Prozesslösungen“ sind die folgenden kleinen und mittelständischen Unternehmen (1 bis 499 Mitarbeiter):

Jobcenter Hof Stadt (Hof): Beschimpfungen bis hin zu körperlicher Gewalt gehören zu den Schattenseiten im Berufsalltag von Arbeitsvermittlern. Mit dem Ziel, Konflikten vorzubeugen und gefährliche Situationen zu entschärfen, hat das Jobcenter Hof Stadt das Konzept „Sicherheit und Gesundheit für Mitarbeiter“ entwickelt. Es umfasst unter anderem Schulungen im Umgang mit aggressiven Kunden und die Ausbildung von Mitarbeitern zum psychologischen Ersthelfer. Auch die offene, auf Wertschätzung ausgerichtete Kommunikation im Jobcenter trägt dazu bei, das Sicherheitsgefühl der Angestellten zu verbessern.

Lehmann & Voss & Co. KG (Hamburg): Unter dem Motto „Arbeitsschutz erleben – je früher, desto besser“ lädt das Unternehmen Schüler der 9. Klasse dazu ein, sich vor Ort über die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen zu informieren. Das Engagement ist Teil einer Schulkooperation, mit der Lehmann & Voss junge Menschen für die Kunststoffbranche begeistern möchte. In Kleingruppen erhalten die Schüler Einblicke in die Produktion und erfahren dabei, welch hohen Stellenwert der Arbeitsschutz im Alltag der Mitarbeiter hat.

DocStop für Europäer e.V. (Ladbergen): Der 2007 gegründete gemeinnützige Verein hat eine „ärztliche Unterwegs-Versorgung für Bus- und Berufskraftfahrer“ aufgebaut. Diese können bei gesundheitlichen Beschwerden eine Hotline anrufen, über die ihnen ein mobiler Mediziner aus dem bundesweiten Ärztenetzwerk des Vereins vermittelt wird. Das Engagement schließt eine Versorgungslücke und trägt dazu bei, Unfälle aufgrund krankheitsbedingter Konzentrationsschwäche zu verhindern. Aktuell sind 700 Ärzte und Krankenhäuser bei DocStop registriert.

In der Kategorie „Prozesslösungen“ haben sich die folgenden Großunternehmen (ab 500 Mitarbeiter) für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2013 qualifiziert:

Andreas Stihl AG & Co. KG (Waiblingen): Seinen Auszubildenden bietet der Maschinenbaubetrieb seit 2011 die Möglichkeit, sich zum „Junior Sicherheitspartner“ fortzubilden. Auf diese Weise will das Unternehmen insbesondere Nachwuchskräfte für das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz sensibilisieren. Die Schulungen haben Workshop-Charakter und unterstützen die Teilnehmer unter anderem dabei, eigene Sicherheitsprojekte durchzuführen, sich mit den Auszubildenden anderer Unternehmen über Arbeitsschutz auszutauschen und dabei soziale Medien zu nutzen.

RWE Power AG (Bergheim): Mit dem Arbeitsschutzprogramm „Sicher voRWEg mit Partnerfirmen“ hat sich der Energieversorger zum Ziel gesetzt, die Unfallquote bei Mitarbeitern von Fremdunternehmen zu senken. Dazu setzt RWE Power unter anderem auf Sicherheitsschnelltests, Führungskräfteworkshops und „Sibos“ – qualifizierte Sicherheitsbeobachter, die den Werksmitarbeitern in punkto Arbeitsschutz mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mit Erfolg: Die Unfallquote an den Standorten ist binnen sechs Jahren um bis zu 30 Prozent gesunken.

BK Giulini GmbH (Ludwigshafen): „Gemeinsam stark gegen Stress“ heißt das Workshop-Konzept des weltweit tätigen Chemie-Unternehmens. Es zeigt auf, wo Stress zur Gesundheitsgefahr wird und leitet Mitarbeiter dazu an, dem entgegenzuwirken. Zugleich will BK Giulini die Belegschaft ermutigen, psychische belastende Situationen offen anzusprechen, um Frustrationen, inneren Kündigungen und Krankheiten vorzubeugen. Bis Ende 2014 sollen die Workshops, die auch eine Moderatorenschulung für Mitarbeiter beinhalten, in allen Unternehmensbereichen durchgeführt werden.

Drei kleine und mittelständische Unternehmen haben es in der Kategorie „Produktlösungen“ in die Endauswahl geschafft:

Bayerische Asphaltmischwerke GmbH & Co. KG (Brunnthal): Beinahe-Unfälle zwischen Radladern und Fußgängern im Baustellenbereich veranlassten die BAM dazu, das Frühwarnsystem „D2Sense“ zu entwickeln und im Mai 2013 in allen Werken einzuführen. Seitdem sind die Baumaschinen mit einem Funkempfänger ausgestattet. Die Mitarbeiter tragen einen Sender an ihrer Arbeitskleidung. Nähert sich eine Person dem Baufahrzeug, schlägt das System Alarm – auch dann, wenn sich die Person zum Beispiel hinter einer Betonplatte befindet. Die Sicherheit verbessert D2Sense auch dadurch, dass es Fahrer und Fußgänger aktiv per LED-Anzeige, Tonsignal und Vibrationsalarm warnt.

Hörluchs Gehörschutzsysteme GmbH & Co. KG (Hersbruck): Der Spezialist für Akustik hat das weltweit erste Hörgerät mit integriertem Gehörschutzprogramm entwickelt. Es schirmt hörgeschädigte Menschen vor Lautstärkespitzen ab, ohne dabei Stimmen oder Warnsignale zu verschlucken. Das ist besonders an Lärmarbeitsplätzen in der Industrie wichtig, an denen Hörgeschädigte und Nichthörgeschädigte bislang häufig ohne akustischen Schutz tätig waren. Mit seiner Innovation hat das Unternehmen eine Versorgungslücke aufgedeckt und behoben.

Zahnarztpraxis Schaumburgblick (Rinteln): Rückenschmerzen sind bei zahnärztlichen Praxisteams weit verbreitet. So müssen die Assistenten beispielsweise minutenlang in verdrehter Haltung stehen, um den Absaugarm in den Mund des Patienten zu halten. Der „Dentale Multi-Funktions-Assistent MFA“ schafft Abhilfe: Er wird direkt am Behandlungsstuhl installiert. Die Zahnarzthelfer richten ihn aus und erfahren so eine ergonomische Entlastung. Die Installation beugt nicht nur monotonem Arbeiten in schlechter Haltung vor. Sie dämmt auch das Risiko ein, sich über eine Tröpfcheninfektion anzustecken.

Unter den Finalisten in der Kategorie „Produktlösungen“ sind in diesem Jahr folgende Großunternehmen:

Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein gGmbH (Heide): Mit rund 650 Rettungsassistenten und 100 Einsatzfahrzeugen führt die Organisation Notfallrettungen und Krankentransporte durch. Um ihren Mitarbeitern den „schweren“ Berufsalltag zu erleichtern hat die Rettungsdienst-Kooperation im Dezember 2012 einen rückenschonenden „Innovations-Krankentransportwagen“ angeschafft. Dieser ist unter anderem mit einem Tragestuhl ausgestattet, der sich über ein Liftsystem ohne Kraftaufwand Treppen hinauf- und hinuntertragen lässt. Nach positiver Resonanz der Mitarbeiter hat das Unternehmen bereits drei weitere Fahrzeuge in Betrieb genommen.

Verband der Diözesen Deutschland (VDD) (Bonn): Das „Arbeitsschutzmobil“ ist ein umgebauter Kleinbus, den der VDD seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt. Sie können das Fahrzeug online buchen, um ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter praxisnah und interaktiv für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu sensibilisieren. Herzstück des Arbeitsschutzmobils ist ein modular aufgebauter Parcours, der beispielsweise Themen wie „Erste Hilfe“ oder „Sicherheit beim Gehen und Laufen“ behandelt. Der Bus ist seit zwei Jahren im Einsatz und hat in dieser Zeit rund 25 Gemeinden besucht.

Wintershall Holding GmbH (Kassel): Mit einem „Ein-Man-Transport-System für Gasflaschen“ will der Energieproduzent künftig Unfälle beim Verladen der schweren Behälter vermeiden. Bislang wurden diese von mehreren Mitarbeitern per Muskelkraft bewegt. Nun reicht eine Person, um die Gasflaschen in die dafür entwickelte Hebevorrichtung zu schieben, dort zu befestigen und in den LKW zu heben. Das System wurde inzwischen an weiteren Wintershall-Standorten eingeführt und auch von anderen Unternehmen angefragt.

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